Fast jedes Kapitel eine neue Nation. Dazu gleich vorneweg: Wenn man anfängt ab und an die Nation zu wechseln, wird man tatsächlich nicht mehr so heimisch. Man fängt an permanent über den Tellerrand zu schauen und vor allem bedingt durchs Frontlinesystem auch über andere mögliche Nationen nachzudenken.

Jedenfalls suchten wir mal wieder eine neue Heimat und wie immer standen mehrere Favoriten zur Auswahl. Piraten und Franzosen waren mal wieder mit dabei, jedoch gibt es bei den Franzosen die Sprachbarriere und die Piraten standen zu jener Zeit auch nicht besonders gut da. Es deutete sich an das BF mal wieder auf Baracoa losschlagen wollte. Bei den Preußen gab es noch den Vorteil des von mir gegründeten KRAKE clans. Wir hatten bereits bei den Briten mit den Preußen häufiger Kontakt und haben ihnen das eine oder andere Mal geholfen. Da ich mir den KRAKE Clan Tag selbst ausgedacht hatte und der Clan immer noch die meisten von uns eingenommenen Ports hielt nahmen wir Kontakt auf. Man könnte das noch ewig weiter ausschmücken aber letztlich wählten die Kraken Ihre aktuelle Führung ab, um mich wieder auf den Thron zu setzen. Der Clan sollte wohl auch noch einigermaßen aktiv sein und so entschieden wir uns, es ein weiteres Mal bei den Preußen zu versuchen.

Dass es Probleme mit den Altpreußen geben sollte, war uns schon bewusst, jedoch nahmen wir blauäugig an, dass wir als Retter in der Not (gegen Spanien) schon irgendwie willkommen wären. Das stellte sich direkt als Fehler heraus als wir uns zu den ersten Gesprächen trafen. Da einige Clanmember jedoch schon impulsiv frühzeitig wechselten, um den Verlust von Pinar del Rio abzuwenden, mussten wir uns wohl oder übel mit den alten Preußen zusammenraufen.

Der Anfang klappte im Großen und Ganzen auch wie immer in einer neuen Nation recht gut. Die Spanier wurden problemlos zurückgeworfen und auch die mitgebrachte Santo Domingo Ecke machte uns niemand streitig. Santo Domingo war in Rekordzeit ausgebaut. Inzwischen mussten wir aber feststellen, dass wir die Preußen maßlos überschätzt hatten. Auch, wenn die für die Verteidigung immer ein paar Kapitäne fürs Portbattle und ein paar Anfänger zum Screenen zusammen kratzen konnten, merkten wir schnell wie tot die Nation war. Ich kann es nicht mehr auf den Mann genau sagen aber viel mehr als ein Dutzend halbwegs erfahrene Spieler hatte die gesamte Nation nicht mehr zu bieten. Das Council bestand jedoch aus 4 bis 6 Clans welche jeweils wiederum aus 1–3 mehr oder weniger aktiven Spielern bestand. Wir waren also in einer Nation angekommen, wo Ein-Spieler-CLans im Council saßen und gehört werden wollten. Mehr oder weniger soviel zu sagen haben wollten wie jeder andere und erst recht mehr als der Nationszerstörer Cid und seine treulosen Kameraden. Im Nachhinein wurde die gleichen Fehler wie früher gemacht. Klein und Kleinstclans wollten uns auf der Nase herumtanzen. Möglicherweise hätten wir wirklich stattdessen zu den Polen gehen sollen und unsere "eigene" Nation gegründet oder uns alternativ gar nicht auf diesen Zirkus eingelassen und einfach unser Ding gemacht. Wie soll es auch funktionieren, wenn 5 Clans mit insgesamt 10 Spielern einem Clan mit 40 Spielern gegenübersteht? Denn auch wenn wir uns Anfangs ein Bein ausrissen, sollte eine echte Einheit nie einziehen und Unterstützung konnte man meist an wenigen Fingern einer Hand abzählen. Das einzige, was uns dieses Council wirklich eingebracht hat waren endlose Diskussionen und Streitereien, sowie Clans, welche sich etwas vom KRAKE Kuchen abschneiden wollten, wenn die Zeit reif war. So wurden bei einem Council mal eben 8 KRAKEN Ports an andere Clans verteilt ohne uns auch nur zu fragen. Zu unserem Untergang hat die Opposition trotzdem nicht geführt und von daher kann man es mit diesen Worten auch auf sich beruhen lassen.

Jedenfalls wollte unser waschechter RVR CLan zu dem wir im Laufe der Zeit geworden sind auch etwas Zutun haben. Schon als Briten hatten wir ein wenig über der Map gebrütet und durch das mir verhasste Frontlinesystem gab es auch nicht endlos viele Möglichkeiten unseren Clan ein wenig zu trainieren und auf die Probe zu stellen. Einen Krieg gegen die Supermächte Russland und Schweden konnten und wollten wir uns zu dieser Zeit (noch) nicht leisten. Die Briten waren eh schon gefickt und wir haben nie kurz nach einem Weggang unsere alte Nation angegriffen. Durch das Scheitern der NATO (zumindest bis zu unserem Weggang) hatten wir ein wenig Groll gegen den SNOW Clan oder im Detail deren Leader aufgebaut. Ständig mitreden, ohne je selbst was zu schaffen, ging mir im Laufe der Zeit ein wenig auf die Nerven. Weiterhin hatten wir uns auch mit einigen Holländern unterhalten und in dieser Nation kochte es auch zwischen den verschiedenen Lagern. So hatten es die Holländer geschafft ihr Potenzial seit Release komplett gegen die Wand zu fahren und im speziellen SNOW immer mehr Clans zu vergraulen (CABAL, MONX, LIONS und andere). Nichtsdestotrotz hielt aber genau SNOW mit seinen (selbst aus NATO Zeit genannten) 5 Membern tatsächlich 4 der 5 Schlüsselhäfen der Nation und hielt die komplette Nation damit in einer Art Würgegriff und machte auch vor Friendlist Kicks nicht halt. Letztlich waren es aber nicht diese ganzen Gründe warum wir die Holländer schließlich bei Guayaguayare angriffen, sondern viel mehr die Tatsache, dass es durch das Frontlinesystem auf der ganzen Map keine anderen angreifbaren Ziele gab. Von allen Freetowns aus konnten wir nur Briten, Russen oder Schweden angreifen und eben ganz entfernt die Holländer.

Also starten wir einen Feldzug gegen die Holländer. Ehrgeiziges Ziel war von Anfang an Caracas. Die ersten 10 Portbattles hatten wir es dabei mit der kompletten holländischen Nation und mit der halben französischen als Screener zu tun, während wir nur auf unseren eigenen Clan, sehr wenige sonstige Preußen und ab und zu auf ein paar Amerikaner, die auch in der Ecke kämpften, zählen konnten. Rausgescreent wurden wir trotzdem nur bei einer Gelegenheit, weil es unseren Genern an Koordination fehlte. Kämpfe verloren haben wir auch nur einen aufgrund von schlechtem Wind und der ausgegangenen Zeit. Somit konnten wir fast in einer Tour bis Galdonas stürmen(wobei mit Puerto de Espana und Santo Tome auch 2 20k Portbattles auf dem Weg lagen). In dieser Zeit entwickelten wir uns in einen, meiner Meinung nach, Weltklasse Clan, welcher ohne oder nur mit geringer Hilfe allein jegliche Portbattles stellen konnten. Wir organisierten allein, flippten allein und stritten auch (fast) allein. Einige Holländische Überläufer verstärkten sogar unseren Clan, weiterhin kam Ram Dinark mit einem Alt zu uns und 10 Chinesen (unsere alten Feinde von HAN) entschlossen sich neben anderen auch der KRAKE anzuschließen.

Bei Galdonas war dann erst einmal Schluss. Die Holländer heulten nämlich inzwischen ihre schwedischen Verbündeten voll (zur Toxizität des Krieges gleich mehr) und diese zwangen uns dann zu einer Pause im Feldzug und drohten ansonsten mit ihrem Eingreifen. Wir hatten zwar mit den Russen einen Trumpf in der Hinterhand und beide Seiten buhlten inzwischen darum das unseren neu erstarkten Clan auf seine Seite zu ziehen. Generell muss ich aber sagen, dass uns der große Krieg im Großen und Ganzen ziemlich egal war. Ja die Schweden hatten irgendwie das noblere Ziel die russische Dominanz endlich zu brechen aber aus unseren Erfahrungen bei den Briten hatte ich und mein Clan wenig Sympathie für die Schweden übrig. Da waren die Russen irgendwie netter und sympathischer. Dem Krieg aber beizutreten, hatten wir keine wirkliche Lust, vor allem da es so schien das beide Seiten ungefähr gleich stark waren und ein eingreifen hier einen starken Einfluss hätte haben können.

Wir hatten also eine Weile nichts Zutun und blickten uns nach anderen Zielen um. Die Briten waren inzwischen mehr oder weniger zusammen gebrochen, CRED wollte mehr oder weniger geschlossen zu uns kommen was wir auch begrüßten. Es folgte ein kleiner Krieg um Trinidad für RGK (CRED) der aber auch trotz Nachttimer (und einer sehr viel kooperativen Nation als es bei unserer Kampagne jemals der Fall gewesen wäre) sehr schnell beendet werden konnte. Durch den Verlust von Truxillo drängten uns die Briten dann endlich Santiage de Cuba abzugeben. Wir hielten den Hafen mit dem LAMA Clan nämlich immer noch (alle anderen Häfen hatten wir brav abgegeben). Ich hatte den Briten gesagt (aber nie ausdrücklich versprochen) das wir SdC nach 30 Tagen an sie abgeben würden. Überlegung war dabei das wir den Hafen gegen NPC Portraids eh nicht hätten halten können. Diese wurden aber inzwischen weggepatched und somit hatten die Briten nicht wirklich etwas gegen uns in der Hand, den Hafen herauszurücken. Natürlich war es moralisch etwas fragwürdig aber einen Hafen der am Tag Millionen Steuern generiert wollten wir nicht einfach herschenken. Es folgten also einige Verhandlungen wobei sich die Briten mehr als trotzig zeigten. Letztlich konnte keine einvernehmliche Lösung gefunden werden und wir gaben den Hafen dann ohne Gegenleistung ab, kündigten aber an das wir als Bezahlung auf die Les Cayes Region vorrücken würden. Ihnen stehe es aber selbstverständlich frei die Häfen zu verteidigen und wir würden dies auch nicht als Kriegserklärung aufs geschundene Großbritanien sehen und uns an einige Spielregeln halten, wenn Sie es auch täten. Das klappte auch eigentlich sehr gut und vor allem konnten wir uns auf diese Art vom eh schon gebeutelten Server noch etwas Content abringen. Santiago zahlte sich für die Briten übrigens nicht aus und wurde eher zum letzten Nagel im Sarg. BASTD hatte sich überlegt (da man ihnen auch keine 5m mehr weit traute) den Hafen als ganze Nation einzunehmen und die nicht geringen Steuern zu teilen. Jedoch schaffte es diese Clanunion nicht, den Hafen direkt nach Serverrestart (also zu besten Mittagszeit) vor LURE einzunehmen (delikaterweise Amerikaner, welche extra die ganze Nacht wach bleiben mussten, um den Zufallstimer nicht zu verpassen). BASTD ging dann enttäucht zu den Dänen, um den Schweden ein bisschen was heimzuzahlen, ein, wie ich damals fand, sehr guter Schachzug und auch angebracht bei der Vergangenheit.

Doch auch bei den Holländern sollte es schließlich weiter gehen. Davor möchte ich aber noch einige Worte über diese verlieren. Gregory Rainsborough der Anführer von SNOW, brachte ja wie ihr vermutlich wisst gerade in dieser Zeit seine Naval Action Zeitung raus. Wir haben es geschafft von der ersten bis zur letzten Ausgabe in jeder, als Clan namentlich erwähnt zu werden und durch den Kakao gezogen zu werden. Auch wenn die Holländer uns nach einiger Zeit nichts wirklich entgegen zu setzen hatten, mussten sie es in diesem und anderen Medien (Forum, Global Discord) bei jeder sich bietenden Gelegenheit klein machen und persönlich angreifen. Die Aussagen gingen dabei von "Ich finde es gut, dass ihr uns angreift, da ihr selber nichts könnt und wir Gelegenheit haben gegen euch zu trainieren" über "ohne Ram Dinark könnt ihr gar nichts" bis hin zu wüsten Beschimpfungen. Es baute sich also schon ein gewisser Hass zwischen den 2 Kriegsparteien auf. Friedensverhandlungen wurden auch nie wirklich aufgenommen da vor allem der Clanleader von Snow, sich sicher zu sein schien, dass im Zweifelsfall doch die Nato in die Bresche springen würde. So boten wir einen Waffenstillstand an, welcher akzeptiert und direkt am nächsten Tag gebrochen wurde. Wir boten Frieden ohne jegliche Gegenleistung an(zu Anfang versuchten wir etwas herauszuschlagen aber irgendwann wollten wir einfach nur noch Frieden da wir ja nicht weiter durften), doch die Holländer blieben ihrer großen Fresse treu lehnten alles ab und griffen sogar immer wieder an (einmal sogar mit mindestens einem Havoc alt in der Flotte). Sei meinten: "wir wollen den Krieg". Sie schlossen sogar Frieden mit den Russen trotz dessen, dass sie in der NATO waren und versuchten auch diese gegen uns aufzubringen, was die Russen uns aber umgehend mitteilten. Nach einigen Tagen reichte es uns dann doch. Vor allem durch den Umstand, dass Gregory inzwischen sogar mit 2 anderen Nationen (Spanien und Briten) einen Multiflip gegen uns geplant hatte. Wir bekamen von der Sache Wind und wehrten sowohl den die Holländer bei Higuey als auch die Briten bei Trinidad ab. Die Spanier sind nie losgefahren :). Und so reichte es uns endgültig und wir rückten schließlich auf Pampatar und Cumana vor. Von der NATO bekamen die überheblichen Holländer postwendend eine Abfuhr ihres Hilfegesuchs und wechselten prompt die Seiten zu den Russen (welche aufgrund geschickter Formulierungen des neuen Bündnisses auch nie gegen uns screenen sollten). Weiterhin sah der Snow Clan welches Unheil sie heraufbeschworen hatten und wanden sich wegen eines Deals an uns. Pampatar sollten wir bekommen aber sonst nichts weiter, SNOW würde sich dafür aus der Nation zurückziehen. Es wäre beinahe zu diesem Deal gekommen aber aufgrund ungünstigen Timings und Verfolgungswahns der SNOW Führung, die dachten wir würden mit den holländischen LIONS unter einer Decke stecken, scheiterte der Deal schließlich doch. Wie ich mir bereits denken konnte, ging SNOW trotzdem. Die 2 Häfen waren beinahe unverteidigt und die Holländer waren geschlagen.

Wir rückten dann trotzdem bis Caracas vor. Dies hatte 3 Gründe. Zum ersten wollten wir für unseren Krieg auch einen guten Preis erringen (SdC hatten wir ja nicht mehr und Caracas machte Steuern und hatte Copper), zweitens hatten wir mit den Holländern aufgrund der aufgebauten Feindschaft recht wenig Mitleid zumal diese auch ohne Caracas noch 2 Craftinghäfen halten würden (Maracaibo und Coro) und warum sollte die inzwischen winzige Nation einen der ganz großen Häfen halten sollen. Die 55er sind immer wichtige Kriegsziele und diese sollten nicht aufgrund der Lage verschenkt oder gehalten werden dürfen. Letztlich hatten wir eine Abstimmung mit allen Offizieren darüber und bis auf eine Stimme und einigen Enthaltungen waren alle dafür sich Caracas zu schnappen. Wir waren also der erste Clan auf dem Server der 2 55er Tiefwasser Häfen hielt. Hatten in den letzten 2 Monaten die Preußen vom Friedhof aufs Leaderboard (Platz 2 bis3) gehievt und allein mit den 2 Krakenkampagnen 28 Häfen gegen Holländer Briten und Franzosen eingenommen (Santo Domingo Region nicht mitgerechnet). Eine beachtliche Leistung da wir keinen Hafen in dieser Zeit je in der Defensive verloren, sondern maximal für einige unbedeutende Deals weg schenkten.

Wir waren am Zenit unseres Erfolgs angekommen und auch wenn einige von euch möglicherweise zu Recht die Nase rümpfen werden, dass wir dies alles im Schatten des großen Russisch Schwedischen Krieges ein wenig unbemerkt vollbrachten, war es trotzdem keine zu unterschätzende Leistung. Wir schlängelten uns diplomatisch zwischen den beiden Großmächten hindurch (spielten sie ein wenig egeneinander aus), kämpften trotzdem ziemlich allein gegen 2 bis 3 Nationen. Bauten eine Portbattleflotte die kaum geschlagen wurde und vor allem beinahe einzigartig auf dem Server nur von einem Clan gestellt wurde. Ja die letzten Portbattles gegen die Holländer waren nicht mehr glamorös aber davor waren sie uns zumindest zahlenmäßig weit überlegen. Selbst Gregory titelte in seinen Zeitungen wie knapp jedes Portbattle gewesen wäre und das nur Zufallsereignisse wir Stromausfälle, Bildschirmfressende Katzen, eifersüchtige Freundinen, Wespen (ach nee das war anderswo) oder so etwas Abstruses wie schlechter Wind den holländischen Sieg verhindert habe. Weiterhin haben wir uns mit anderen Nationen wie AMerikaner und Franzosen durchaus Freunde gamcht.

Es wäre jedenfalls schön gewesen dieses Imperium auch auf einem gesunden Server mit gebalanceten Nationen aufzubauen aber das wir unsere Chance nutzten und ein wenig unterm Radar schwammen kann uns ja nicht vorgeworfen werden.

Wie dieses Imperium zerfiel erfahrt im nächsten Kapitel doch, um es euch ein wenig spannender zu machen: An Größenwahn, Selbstüberschätzung oder dem Willen die Russen zu schlagen lag es nicht :)