Bei CSU-Schatzmeister Hans Hammer Briefkastenfirmen entdeckt

Hans Hammer, Schatzmeister des CSU-Bezirksverbandes München, wird derzeit vermutlich unruhig schlafen. An der "Hammer International" war zur Hälfte eine Briefkastenfirma beteiligt, die auf den Britischen Jungferninseln sitzt. Den Hintermännern ist das Bundeskriminalamt bereits auf der Spur.Hans Hammer, Schatzmeister des CSU-Bezirksverbandes München

Hans Hammer ist Vizepräsident beim Wirtschaftsbeirat Bayern und damit Stellvertreter des ehemaligen bayerischen Wirtschaftsministers Dr. Otto Wiesheu. Darüber hinaus spielt Hans Hammer eine schillernde Rolle in einem Netzwerk von Immobilienakrobaten, die ein Milliardenvermögen angehäuft haben. Diese Leute arbeiten mit unkonventionellen Methoden, um es vorsichtig auszudrücken. Anonyme Gesellschaften in Steueroasen gehören in diesem Zirkel offenbar zur Routine. Über seinen Aufsichtsrat Günter Koller besitzt Hans Hammer unmittelbare Verbindungen zu zwei der ganz großen Player im europaweiten Immobilien-Poker.

Die Münchner Öffentlichkeit kennt Hans Hammer vor allem, da er den CSU-Ball "Münchner G'schichten" ausrichtet. Und von seiner Schrannenhalle auf dem Viktualienmarkt. Als Mitglied im Rotary Club München-Königsplatz pflegt Hans Hammer diskrete Verbindungen zu einflussreichen Kreisen.

(Der Handelsregisterauszug der "Hammer International" mit Sitz in Moskau zeigt ab Seite 19, dass jeweils 50 Prozent der Anteile an der Gesellschaft von der "Hammer AG" mit Sitz in München und der "Kenos Invest, Ltd" mit Sitz in Road Town auf den Britischen Jungferninseln gehalten wurden.)

Die undurchsichtigen Geschäfte von Hans Hammer mit Briefkastenfirmen auf den Britischen Jungferninseln, auf Zypern, auf Guernsey und in Luxemburg werden nun ans Licht kommen. Wie Anfang Juli 2017 bekannt wurde, kaufte das Bundeskriminalamt Panama Papers und wertet diese gerade aus. Doch auf eines kann sich der Honorarkonsul Hans Hammer verlassen: seine Büroräume gelten als diplomatische Vertretung. Die Macht deutscher Behörden endet vor seiner Tür

Aber alles der Reihe nach.

Hans Hammer erbte 1998 mit gerade einmal 26 Jahren von seinem Vater nicht nur ein stattliches Immobilienvermögen, sondern auch das Amt des Honorarkonsuls von Sri Lanka und ausgezeichnete Kontakte zur CSU. Im Jahr 2001 gründete der Millionenerbe die "Hammer AG" als Fassade für seine undurchsichtigen Geschäfte. Hans Hammer unterhält teils direkt, teils indirekt über fünfzig Gesellschaften, die meisten haben ihren Sitz an seiner Privatanschrift oder an der Adresse seines Honorarkonsulats – oder in einer Steueroase.

Die "Hammer AG" rühmt sich auf ihrer Internetseite, einen Eigenbestand an Immobilien im Wert von 209 Millionen zu verwalten. Der hinterlegte Jahresabschluss 2015 zeigt aber lediglich eine Bilanzsumme von nicht einmal 200.000 Euro. Ein Blick ins Handelsregister löst das Rätsel: Die ursprüngliche "Hammer AG" wurde 2015 in die "Hammer Real GmbH" umgewandelt, um anschließend eine neue "Hammer AG" zu gründen. Mit diesem raffinierten Schachzug wurden verräterische Spuren verwischt, die sich in der Bilanz fest gefressen hatten. Nun lässt sich eine lupenreine "Hammer AG" vorzeigen. Und niemand ahnt, was sich in der Vergangenheit zugetragen hat.

Im Jahr 2003 eröffnete die "Hammer AG" ein Büro in Moskau. In Novokossino am Stadtrand der russischen Metropole plante Hans Hammer ein Einkaufszentrum mit einer Gesamtfläche von 197.000 Quadratmeter. Dazu gründete die "Hammer Vermögensverwaltungs GmbH", vertreten durch Hans Hammer, die "Novokossino Property Holding GmbH", die ihrerseits auf Zypern die "Novokossino Real Property Holding I Limited" eintragen ließ. Wer hinter der "Novokossino Real Property Holding II Limited" steckt, die ebenfalls in der Steueroase Zypern im Handelsregister steht, darauf kommen wir später noch zu sprechen.

Zusammen mit einem deutsch-russischen Rechtsanwalt errichtete die "Hammer AG" im Jahr 2003 die russische Tochtergesellschaft "Hammer International", die sich an einem Konsortium zum Bau von zwei Industrie- und Logistikparks im Raum Moskau beteiligte. Das Investitionsvolumen belaufe sich auf 125 Millionen Euro im ersten und weitere 500 Millionen Euro im zweiten Schritt, gab der ebenfalls an dem Konsortium beteiligte österreichische Immobilienkonzern Zwerenz & Krause im Jahr 2007 bekannt.

Das Shopping-Center in Novokossino wurde bis heute nicht gebaut. Auch das Konsortium hat seine Pläne nicht realisiert. Bei der "Hammer International" in Moskau liefen Verluste in Millionenhöhe auf. Dann übernahm zum 30. November 2010 die "Kenos Invest, Ltd" mit Sitz im Steuerparadies der Britischen Jungferninseln fünfzig Prozent der Geschäftsanteile an der "Hammer International". Die andere Hälfte verblieb bei der "Hammer AG", vertreten durch Hans Hammer.

Die "Kenos Invest, Ltd" wurde am 7. Dezember 2006 durch den Gründungsagenten "Trident Trust" auf den Britischen Jungferninseln inkorporiert. Nur einen Tag vorher, am 6. Dezember 2006, war in Panama die "Kenos S.A." eingetragen worden. Dazu hatte die Rechtsanwältin Véronique De Meester aus Luxemburg im Namen ihrer Mandantschaft die Kanzlei "Mossack Fonseca & Co" beauftragt, die aus den Panama Papers bekannt ist. Die Züricher Repräsentanz des "Trident Trust" verweist bei Anfragen zur "Kenos Invest, Ltd" an die Niederlassung in Zypern, wo die beiden Holdinggesellschaften für das Einkaufszentrum in Novokossino am 7. März 2007 eingetragen wurden – mindestens eine von beiden unter Mitwirkung von Hans Hammer.

Dieses Konstrukt von Briefkastenfirmen eröffnete die Möglichkeit, über Jahre mehrstellige Millionenbeträge aus dunklen Quellen in die offizielle Immobilienwirtschaft zu schleusen. Wie wir noch sehen werden, reichen die Querverbindungen bis hinein in die höchsten Kreise des Hoch- und Geldadels.

Kurz nach dem Einstieg der "Kenos Invest, Ltd" bei der "Hammer International" initiierte Hans Hammer das "FHB Fondshaus Bayern", um Immobilienfonds aufzulegen. Wieder wurde eine ganze Serie von Gesellschaften gegründet. Bereits der erste Fonds, der "FHB Developmentfonds I", wurde mit einem Volumen von 50 bis 100 Millionen Euro Eigenkapital angekündigt.

Doch dann nahte der 1. Januar 2016 und es wurde brenzlig. Denn ab diesem Stichtag müssen Kreditinstitute nach einem neuen internationalen Steuerabkommen Kontoinformationen zu ausländischen Kunden an deren Heimatfinanzämter melden. Auch Russland, Panama und die Britischen Jungferninseln konnten sich dieser Übereinkunft nicht entziehen.

Hans Hammer reagierte prompt. Am 17. November 2015 wurde Helge Maehrholz, "Leiter Projektentwicklung Osteuropa" der Hammer AG, als Generaldirektor der russischen Gesellschaft "Hammer International" abgelöst. Seine Nachfolgerin wurde Irina Hodakova, eine Hausfrau aus Moskau. Zudem übertrugen die "Hammer AG" und die "Kenos Invest, Ltd" am 18. Dezember 2015 ihre sämtlichen Geschäftsanteile an der "Hammer International" auf Irina Hodakova, die für ihre Unterschriften ein kleines Taschengeld zur Aufbesserung ihrer Haushaltskasse bekam. Hans Hammer handelte gerade noch rechtzeitig, denn zwei Wochen später wären die heiklen Informationen aufgezeichnet und später an das deutsche Finanzamt übermittelt worden.

Für Hans Hammer war das internationale Abkommen über den automatischen Informationsaustausch in Steuersachen eine politische Niederlage. Seine Stellung in der CSU und im Wirtschaftsbeirat Bayern nutzte er schon zuvor, um steuerliche Transparenz zu bekämpfen. Als Delegierter auf dem CSU-Parteitag 2012 hatte Hans Hammer beantragt, seine Partei möge sich für die Abschaffung des "gläsernen Kontos" einsetzen. Die Antragskommission wählte aus einer Flut von Vorschlägen nur 33 zum Thema Innenpolitik und Recht. Dass die Eingabe von Hans Hammer auf die Tagesordnung kam, beweist seinen Einfluss bei der CSU. Wegen rechtlicher Fehler musste Hans Hammer seinen Antrag auf dem Parteitag dann allerdings zurückziehen.

Die Aktivitäten des "FHB Fondshaus Bayern" wurden in der Finanzbranche von Anfang an mit erheblicher Skepsis beobachtet. So konnte sich das Unternehmen auch nicht lange halten. Im Jahr 2014 musste das operative Geschäft endgültig eingestellt werden. Zur Abwicklung wurde es in "FHH Fondshaus Hammer" umbenannt. Zurück blieb ein ganzer Stapel von Gesellschaften, die in ihren Bilanzen unter dem Posten "nicht durch Eigenkapital gedeckter Fehlbetrag" zusammen einen Betrag in Millionenhöhe stehen hatten. Der Niedergang des Fondshauses setzte Hans Hammer ziemlich zu. Als sich das Ende bereits abzeichnete, versuchte er, sein Gesundheitszentrum in München-Freiham zu versilbern.

Freiham ist ein neuer Stadtteil in der südwestlichen Ecke von München, der auf der grünen Wiese gebaut wird, um den Wohnungsmangel in der bayerischen Landeshauptstadt etwas zu lindern. Das Trabantenviertel hat eine eigene S-Bahnstation bekommen, die künftig den Ortskern bilden wird. Das Baugrundstück unmittelbar davor war heiß begehrt. Die Stadt München verkaufte dieses Filet im Jahr 2010 ausgerechnet an Hans Hammer. Dieser hatte im Jahr 2008 für die CSU zum Münchner Stadtrat kandidiert. Dabei zeigte sich Hans Hammer großzügig: im Jahr 2007 spendete er der CSU 50.000 Euro und im Jahr darauf nochmals 20.800 Euro. Insider berichten, der Grundstücksverkauf sei ein Trostpflaster für die verlorene Stadtratswahl gewesen. Die Stadt München verweigert jegliche Auskunft zu Kaufpreis und Konditionen.

An der exponierten Lage errichtete Hans Hammer das "medicare Gesundheitszentrum Freiham". Der Bau des Ärztehauses soll rund 22 Millionen Euro verschlungen haben. Im November 2013 lancierte die Rechtsanwaltskanzlei "GSK Stockmann + Kollegen" die Veräußerung des Objekts. Die "Hammer AG" habe das Gesundheitszentrum an die "Immobilien-Faubourg-Gruppe" in Genf abgestoßen. Die Transaktion sei in einem "komplexen Share Deal in Kombination mit einer stillen Beteiligung" erfolgt. Ergänzend wurde noch erwähnt, "Faubourg" habe vor, in den nächsten zwei Jahre bis zu 500 Millionen Euro in Süddeutschland zu investieren.

Diese Meldung ist etwas verwirrend. Denn die Immobilie stand noch nie im Eigentum der "Hammer AG", sondern gehörte stets der "Freiham Entwicklungs GmbH & Co. KG". Einziger Kommanditist dieser Gesellschaft, und zwar mit einer Hafteinlage von 1.000 Euro, war Hans Hammer, als am 25. November 2014 zwei ausländische Gesellschaften als weitere Kommanditisten jeweils mit einem symbolischen Betrag von einem Euro ins Handelsregister eingetragen wurden.

Die eine von beiden, die "FSL Holding Sàrl", ist eine klassische Briefkastenfirma. An ihrer Geschäftsadresse in der noblen "Rue Jean Piret" in Luxemburg residiert der weltweit operierende Business-Service "BDO", der Büros in nahezu allen Steueroasen dieser Erde unterhält und unter anderem die Verwaltung von anonymen Gesellschaften anbietet.

Die andere hatte ihren Sitz in Paris und sollte mit dem Geld des französischen Multimillionärs Yann Bucaille bei Hans Hammer einsteigen. Obwohl er offiziell gar nicht so heißt, tritt Yann Bucaille mit einem gewissen Stolz auch unter dem Namen Yann Bucaille-Lanrezac auf. Denn seine Ehefrau ist die Urenkelin von Charles Lanrezac, einem französischen General im Ersten Weltkrieg, um den Militaristen bis heute einen Führerkult betreiben. Yann Bucaille inszeniert sich medienwirksam als Wohltäter. Großzügig lädt er Menschen, die in unserer Gesellschaft benachteiligt werden, zu Rundfahrten mit seiner Firmenyacht ein. Seine Millionen hat Yann Bucaille damit gemacht, für westliche Chemiekonzerne Exporte in Krisenregionen zu organisieren. Sein Unternehmen "Emeraude International" unterhält Vertriebsbüros unter anderem im Libanon, in Nigeria, Algerien und Pakistan.

Doch aus dem verheißungsvollen Geschäft zwischen Yann Bucaille und Hans Hammer wurde nichts. Schon nach wenigen Monaten bekam Yann Bucaille kalte Füße und drehte den Geldhahn ab. Darauf ging die Dachgesellschaft der "Immobilien-Faubourg-Gruppe", die "Fonds Management Saint-Honoré SA" in Genf, insolvent. Das Konkursverfahren wurde am 29. Januar 2015 eröffnet und am 7. Mai 2015 abgeschlossen. Die Gesellschaft wurde inzwischen aus dem Handelsregister gelöscht, ebenso wie ihre französischen Töchter. Die "Immobilien Faubourg Deutschland GmbH" dagegen wurde von München in die bayerische Provinz verlegt, um sie dort verschwinden zu lassen. Die Löschung steht allerdings immer noch aus. Ein Grund dafür könnte sein, dass das Finanzamt seine Zustimmung verweigert. Hans Hammer ist mittlerweile wieder einziger Kommanditist seiner "Freiham Entwicklungs GmbH & Co. KG".

Dass Yann Bucaille plötzlich die Reißleine zog, muss einen triftigen Grund gehabt haben. Vielleicht wurde ihm erst allmählich klar, auf wen er sich eingelassen hatte. Denn wie wir schon gesehen haben, arbeitet Hans Hammer gerne mit Leuten, die hohe Beträge in Immobilien parken und dabei aus gutem Grunde nicht öffentlich in Erscheinung treten wollen. Für diese Art von Geschäften pflegt Hans Hammer erstklassige Kontakte. Er gehört zu einem lichtscheuen Netzwerk raffinierter Immobilienjongleure. Im Mittelpunkt dieses Spinnennetzes steht das Gut Keferloh im Landkreis München. Nur rund zwanzig Einwohner sind in dem Weiler gemeldet, aber weit über hundert Gesellschaften haben ihre Geschäftsanschrift in diesem Kaff. Das Gut Keferloh liegt übrigens auf dem Gemeindegebiet von Grasbrunn, einem bayerischen Steuerparadies mit einem der niedrigsten Gewerbesteuersätze im Freistaat.

Der führende deutsche Verwalter großer Familienvermögen operiert nicht etwa vom Bankenplatz Frankfurt am Main aus oder von der Bundeshauptstadt Berlin. Nein, die "Deutsche Oppenheim Family Office AG", eine hundertprozentige Tochter der Deutschen Bank, betreibt ihre Unternehmenszentrale auf dem beschaulichen Gut Keferloh. Von dort aus verwaltet sie eine Vielzahl von Beteiligungsgesellschaften, die den reichsten deutschen Familien gehören. Neben der Haustür prangt das ovale Amtsschild des Konsulats von Estland. Damit wird deutschen Behörden signalisiert: diese Geschäftsräume sind für euch tabu. Zwar gelten Konsulatsgelände nicht als exterritoriales Gebiet; nach dem Wiener Übereinkommen über konsularische Beziehungen sind sie dennoch unverletzlich.

Im selben Gebäude, aber hinter einem anderen Eingang, residiert die "Wilhelm von Finck Hauptverwaltung GmbH". Auch sie kümmert sich um das Geld von Superreichen, vor allem aber um das Vermögen ihres Alleingesellschafters Wilhelm von Finck junior, das auf 1,7 Milliarden Euro geschätzt wird. Der Spross einer Münchner Bankiers-Dynastie hat den Gutshof Keferloh mit den umliegenden Feldern geerbt und hier einen bundesdeutschen Finanzplatz angesiedelt, der lieber im Verborgenen bleibt. Wilhelm von Finck junior war einer der deutschen Pioniere des "Family Office", also der Vermögensverwaltung für finanzkräftige Familien. Die "Wilhelm von Finck Deutsche Family Office AG" ging später in der "Deutsche Oppenheim Family Office AG" auf, die im unscheinbaren Keferloh den idealen Standort gefunden hat.

Günter Koller führt nicht nur die Geschäfte der "Wilhelm von Finck Hauptverwaltung GmbH", sondern offenbar auch Regie in diesem seltsamen Theaterstück, in dem ein kleines Ensemble von Darstellern in den verschiedensten Rollen immer wieder auf der Bühne auftritt. Früher war Günter Koller Sozius der Rechtsanwaltskanzlei "GSK Stockmann + Kollegen", die wir vorhin schon im Zusammenhang mit der inzwischen insolventen "Immobilien-Faubourg-Gruppe" kennengelernt haben.

Übrigens vergibt "GSK Stockmann + Kollegen" das "Theo-Waigel-Stipendium". Denn der ehemalige CSU-Bundesfinanzminister war bis 2016 für die Kanzlei tätig, ebenso wie sein Sohn Dr. Christian Waigel, der zudem das Fürstentum Liechtenstein als Honorarkonsul vertritt. Auch hier schützte der Sitz des Konsulats an der Anschrift der Kanzlei vor unerwünschten Besuchen der staatlichen Gewalt.

Heute sitzt Günter Koller nicht nur im Aufsichtsrat der "Hammer AG", sondern unter anderem auch im Beirat der "Signa Holding". Der Wiener Immobilienkonzern hat seit seiner Gründung im Jahr 1999 ein Vermögen von rund 7,5 Milliarden Euro gehortet. Die Warenhausketten Karstadt und KaDeWe gehören inzwischen ebenfalls dazu. René Benko, Vorsitzender des Beirats und Gründer der "Signa Holding", wurde im Jahr 2012 vom Wiener Landesgericht rechtskräftig zu einer bedingten Gefängnisstrafe von einem Jahr verurteilt, weil er versucht hatte, den ehemaligen Premierminister von Kroatien mit 150.000 Euro zu schmieren, damit dieser in einem Steuerverfahren gegen die "Signa Holding" Einfluss auf die italienische Justiz nimmt.

Das hält Roland Berger nicht davon ab, ebenfalls im Beirat der "Signa Holding" mitzumischen. Der bekannte Unternehmensberater sitzt zusammen mit Hans Hammer im Präsidium des Wirtschaftsbeirats Bayern, der unter dem Namen "Wirtschaftsbeirat der Union e. V." im Vereinsregister steht. Im Wirtschaftsbeirat Bayern hat Günter Koller den "Arbeitskreis Immobilien" ins Leben gerufen, um überlastete Politiker bei Gesetzesvorhaben mit "Formulierungshilfen" zu unterstützen. Roland Berger ist außerdem Vorsitzender des Beirats der "Deutsche Oppenheim Family Office AG". Die Tochtergesellschaft der Deutschen Bank ließ sich ganz bewusst auf dem Gutshof Keferloh nieder – unter einem Dach mit dem Büro von Günter Koller.

Günter Koller trommelte auch die Investoren für die Schrannenhalle auf dem Viktualienmarkt zusammen. Vermietet ist die Topimmobilie mitten im Herzen von München derzeit an den deutschen Ableger der italienischen Feinkostkette "Eataly", an dem die "Signa Holding" beteiligt ist. Die meisten Münchner glauben, die Schrannenhalle gehöre Hans Hammer. In Wahrheit liegt das Erbbaurecht bei der "Hammer Hallen GmbH", bei der Hans Hammer zwar die Geschäfte führt, aber nur eine Minderheit hält. Die letzte Gesellschafterversammlung bot einen seltenen Einblick in das geheimnisvolle Netzwerk, das sich um die Achse Günter Koller dreht. Die Sitzung wurde von Hans Hammer geleitet, der die "Hammer AG" und die "Fileants Verwaltungs GmbH" vertrat.

Für die Gesellschafterin "Caunton Holdings Limited", eine Briefkastenfirma auf der britischen Kanalinsel Guernsey, war Sascha Lewin gekommen. Wie er abzustimmen hat, wurde ihm von Frank Gerhard Schmidt zugeflüstert, der im Protokoll lediglich als Gast geführt wurde. Frank Gerhard Schmidt ist Gründer der "Quantum Immobilien AG", die Grundvermögen im Wert von 4,8 Milliarden Euro verwaltet. Günter Koller, der übrigens auch bei der "Quantum Immobilien AG" im Aufsichtsrat sitzt, vertrat auf dieser Veranstaltung die Interessen von Prinz Leopold von Arenberg.

Ebenfalls mit dabei war Erwin Krause vom österreichischen Immobilienkonzern Zwerenz & Krause, von dem wir bereits weiter oben gehört haben, wie er an einem Konsortium mitwirkte, das am Bau von zwei Industrie- und Logistikparks im Raum Moskau scheiterte. Gerhard Wöhrl, früherer Chef der später insolventen Textilkette Wöhrl, schickte seinen Neffen, Moritz Freiherr von Hutten, der zum deutschen Hochadel zählt. Ludwig Ruppert, vormals Mitgesellschafter der Textilkette K&L Ruppert, ließ es sich nicht nehmen, persönlich zu erscheinen. Er gilt als finanzielles Rückgrat des Forums Deutscher Katholiken, das jährlich den Kongress "Freude am Glauben" für katholische Fundamentalisten veranstaltet.



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